• Markus Faust

Digitalisierung im Handwerk

Das Schlagwort Digitalisierung findet sich derzeit in jeder Talkshow, auf jeder Unternehmenswebseite und in jeder Broschüre. Doch in kaum einer Branche ist die Digitalisierung, gemessen an den Chancen und Potenzialen, so aussichtsreich wie in der Handwerksbranche. Was damit gemeint ist und wie Ihr Handwerksbetrieb von der Digitalisierung im Handwerk profitieren kann, erfahren Sie in diesem Beitrag.



Was bedeutet Digitalisierung im Handwerk?


Als Experten für CAD / CAM sind wir für viele Innenausbauer, Schreiner, Tischler und andere holzverarbeitende Berufsgruppen, häufig einer der ersten Ansprechpartner in Sachen Digitalisierung. Denn gerade die Optimierung der vorhandenen digitalen Infrastruktur in holzverarbeitenden Betrieben, bietet große Einsparpotenziale im Bezug auf Zeit und Kosten.


Bei den vielen Gesprächen, die wir im Rahmen unserer Tätigkeit führen, werden wir immer wieder gefragt, was genau mit Digitalisierung gemeint ist. Eine neue Unternehmenswebseite, die Optimierung der vorhandenen Systeme oder etwas komplett anderes? Die Antwort darauf ist komplex, eine leicht zu verdauende Kurzfassung wäre: es geht um die Verknüpfung der vorhandenen Systeme.


Denn die meisten Handwerksbetriebe arbeiten schon heute mit einer Vielzahl von digitalen Systemen, die weite Teile der Produktion, Verwaltung und des Marketings vereinfachen. CAD Systeme sorgen seit Dekaden für Produktivitätssteigerungen und neue Möglichkeiten im Bereich der Produktgestaltung und Automatisierung repetitiver Arbeiten. Rechnungs- und Buchhaltungssysteme erleichtern Verwaltungsprozesse und die Unternehmenswebseite ist der Dreh- und Angelpunkt für die Unternehmenskommunikation. Schon heute trifft das, laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie, auf ca. 66 % der Handwerksbetriebe in Deutschland zu.


Ein großer Teil dieser digitalen Infrastruktur arbeitet allerdings komplett autark und hat keinerlei Verbindung zu den anderen Programmen und Schnittstellen im Betrieb. So werden Neukunden über ein Formular auf der Webseite akquiriert, die Daten werden dann per Hand in das CRM, die Excel Tabelle oder gar per Ausdruck in einen Ordner einsortiert und im schlimmsten Fall bei Produktion und Abrechnung nochmals in zwei Systeme eingespeichert. Dass solche Prozessketten nicht sonderlich zeit- oder kostensparend sind, ist selbstredend.


Doch auch die Anfälligkeit für Fehler ist in solchen autarken Verwaltungssystemen besonders hoch. Denn jeder Schritt erhöht das Risiko, dass Daten vergessen oder falsch gespeichert werden, wichtige Informationen verloren gehen oder Updates nicht an den richtigen Stellen ankommen. In der Datenbanktheorie spricht man bei der Zusammenlegung von Datensätzen, zur Inkonsistenz- und Redundanzreduzierung, vom “Normalisieren”. Und genau diese “Normalisierung” sollten auch Sie vornehmen, allerdings für Ihren kompletten Handwerksbetrieb.

Frau arbeitet am Computer
Die Zusammenlegung von Systemen spart Zeit, Geld und sorgt für fehlerfreie Prozesse.

Ihre persönliche Agenda zur Digitalisierung Ihres Handwerksbetriebes


Wenn Sie die Chancen der Digitalisierung im Handwerk nutzen möchten, gibt es viele Hebel die Sie in Bewegung setzen können. Wir zeigen Ihnen Best Practices zur Handwerks Digitalisierung auf, an welchen Stellen Sie ansetzen können und an welchen Stellen eine Beratung zur Digitalisierung im Handwerk sinnvoll ist.


Erstellen Sie eine Übersicht Ihrer bestehenden digitalen Prozesse


Am Anfang jeden Projekts steht ein übersichtlicher Plan und diesen sollten auch Sie zur Hand haben, um die weiteren Maßnahmen sinnvoll steuern zu können. Schreiben Sie alle Systeme die in Ihrem Betrieb genutzt werden auf und ordnen Sie diese grob nach Funktion.


Das hilft nicht nur Ihnen dabei redundante Systeme zu erkennen, sondern auch externen Dienstleistern, Schnittstellenpotenziale zwischen den unterschiedlichen Programmen zu identifizieren.


Befragen Sie Ihre Mitarbeiter nach Ideen zur Digitalisierung


Je nach Größe und Organisation Ihres Betriebes, sind Sie als Geschäftsführer eventuell nicht mehr ganz so vertraut mit den täglichen Herausforderungen Ihrer Mitarbeiter. Sicherlich ist es gerade im Handwerk so, dass Geschäftsführer und Inhaber mit dem weit überwiegenden Teil der Prozesse vertraut sind. Gerade die jüngere Generation von Gesellen und Azubis jedoch, sehen diese Prozesse als digital Natives durch eine ganz andere Brille.


Ob es nun um QR Codes zur schnelleren Erfassung von Stücken geht, die Verwaltung von Pausenzeiten per App, oder andere Ideen auf die Sie vielleicht nicht sofort kommen würden. Die nächste Generation war schon immer ein wichtiger Innovationstreiber im Handwerk, das gilt umso mehr in Zeiten des digitalen Umbruchs.

Junger Handwerker mit Laptop
Gerade junge Fachkräfte stellen ein großes Innovationspotenzial für Ihren Betrieb dar.

Sprechen Sie mit einem Digitalisierungsexperten aus Ihrer Branche


Es kann sein dass Sie zu der Minderheit der Betriebe gehören, die über das nötige Know-How verfügen, die verschiedenen Schnittstellen in Ihrem Betrieb sinnvoll miteinander zu verknüpfen. In der Regel jedoch macht es Sinn, sich mit externen Experten in Verbindung zu setzen, um die Optimierungspotenziale Ihres Betriebes voll auszuschöpfen.


Diese Experten aus den Bereichen IT & BWL können Ihnen möglicherweise Lösungen anbieten, die Ihren Bedarf besser abbilden, als die Summe der derzeitig genutzten Systeme. Für holzverarbeitende Betriebe, wie Innenausbauer, Schreiner, Zimmerer und Tischler stehen wir Ihnen gerne als Ansprechpartner zur Verfügung.


Transformieren Sie nicht nur Prozesse sondern auch Ihre Dienstleistung


Die Digitalisierung kann Ihnen dabei helfen, Daten zentral zu verwalten und Geschäftsprozesse sicherer und zeitsparender zu gestalten. Doch die wirklichen Gewinner der Digitalisierung sind jene Handwerksbetriebe, welche die Digitalisierung als transformativen Prozess Ihres Geschäftsmodells begreifen.


Ein gutes Beispiel dafür, ist die Druckbranche. Noch vor wenigen Jahren gab es exakt zwei Wege wie Drucksachen angefertigt werden konnten: per Auftrag an den Designer im Druckbetrieb oder per Übersendung der Dateien des eigenen Designers. Doch das hat sich geändert.


Frau am Laptop mit anderem Mann am Laptop im Hintergrund.
Was früher nur Designer konnten, wird durch die Digitalisierung Jedem zugänglich.

Unternehmen wie Vistaprint arbeiten eng mit Druckereien zusammen, um die vom Kunden auf der Webseite erstellten Designs, in fertige Drucksachen zu überführen. Andere Unternehmen wie Shirtee oder Packhelp übernehmen dieses Geschäftsmodell und übertragen es auf die Bekleidungs- bzw. die Verpackungsbranche. Diese digitale Markterschließung birgt große Potenziale für die Zukunft Ihres Handwerksbetriebs.


Digitalisierung und Handwerk 4.0 bedeutet also nicht nur Geschäftsprozesse effizienter zu gestalten, sondern vor allem auch innovative und neue Wege für Ihren Handwerksbetrieb zu gehen, mit digitalen Geschäftsmodellen neue Dienstleistungen zu kreieren und Ihre Produkte einer größeren Zielgruppe zugänglich zu machen.


Was sind die Trends der Digitalisierung auf das Handwerk?


Um die Chancen und Risiken der Digitalisierung im Handwerk zu verstehen, ist es wichtig die Auswirkungen der Digitalisierung richtig einzuordnen. Die Digitalisierung ist ein Megatrend, der in verschiedenen Bereichen mit unterschiedlicher Geschwindigkeit fortschreitet. Im Folgenden schlüsseln wir diesen Megatrend in kleinere Trends auf, um Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Themen zu geben. Die Daten dazu stammen aus der Bitkom Studie zur Digitalisierung im Handwerk 2020.

Roboterhand deutet auf Verknüpfungen
Roboter werden wohl noch nicht so schnell Einzug in Ihrem Betrieb finden. Künstliche Intelligenz vielleicht schon.

Digitalisierung der Geschäftsprozesse im Handwerk


Dieser Trend läuft schon seit Jahrzehnten auf Hochtouren. Gerade durch das Internet, Smartphones und Apps wird der Trend der Digitalisierung vorhandener Geschäftsprozesse, beschleunigt. Die Digitalisierung der Geschäftsprozesse ist ein Thema dem sich Geschäftsführer und Inhaber von Handwerksbetrieben, so schnell wie möglich widmen sollten. Dabei setzen rund 27 % der Handwerksbetriebe auf Cloud Computing um die betriebsinterne Infrastruktur nicht auf- oder ausbauen zu müssen.


Cloud Computing bedeutet, dass Systeme genutzt werden die ähnlich wie etwa Gmail, auf zentralen Servern des Anbieters laufen.

Künstliche Intelligenz im Handwerk


Künstliche Intelligenz spielt heute in nur 2 % der Handwerksbetriebe eine Rolle, rund 6 % planen, in naher Zukunft damit zu arbeiten. Allerdings ist gerade dieser Bereich einer der Bereiche, die derzeit die größten Fortschritte machen. Maschinelles Lernen, neuronale Netze und weitere Technologien aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz könnten der nächste große Game Changer für viele Bereiche sein, auch für das Handwerk.


Da künstliche Intelligenz im Gegensatz zu Robotern oder Drohnen, in vielen Fällen durch Abonnements und Downloads sofort in Ihrem Betrieb Anwendung finden könnte, sollten Sie bei diesem Thema sehr aufmerksam sein. Denkbare Anwendungen wären beispielsweise KI Anwendungen die den Materialverbrauch von Maschinen optimieren, Prozesse in der Verwaltung Ihres Betriebs effizienter aufeinander abstimmen oder im Marketing potenzielle Leads effizienter auswählen.


Maschinelles Lernen & Neuronale Netze sind Technologien die es Systemen ermöglichen selber zu lernen und komplett neue Lösungsansätze zu finden.